Voices of Select Green Hotels: Begegnungen mit den Menschen, die nachhaltige Gastfreundschaft prägen.
Am Fuße des Lac du Pêcher, in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes, liegt das Instants d’Absolu Ecolodge & Spa auf 1.100 Metern über dem Meeresspiegel – eingebettet in eine Landschaft aus Hochmooren und Vulkangipfeln, in der die Vulkane längst verstummt sind. Hier, im Herzen des Cantal-Massivs – einer der größten Vulkanformationen Europas – formen sanfte Bergrücken, tiefe Täler und windgepeitschte Hochplateaus eine Welt, die vom großen Tourismus noch weitgehend unberührt geblieben ist.
Was einen bei der Ankunft empfängt, ist nicht so sehr die beeindruckende Geologie als vielmehr die Stille. Eine weite, fast greifbare Stille, die den Ton vorgibt für alles, wofür dieses Ecolodge steht. Wir haben mit Laurence Costa, Eigentümerin von Instants d’Absolu, gesprochen – über die Entstehung eines Ortes, an dem Natur, Entschleunigung und Nachhaltigkeit keine Annehmlichkeiten sind, sondern das Fundament selbst.
“Nachhaltigkeit war nie etwas, das nachträglich hinzugefügt werden sollte – sie ist Teil des Fundaments des Ecolodge.”
1. Du und Daniel werdet als leidenschaftliche Reisende beschrieben, die sich von afrikanischen Lodges inspirieren ließen – von der Idee eines komfortablen, authentischen Rückzugsortes mitten im Nirgendwo, wo der Raum selbst der eigentliche Luxus ist. Wie habt Ihr den Ort am Lac du Pêcher entdeckt, und was hat Euch das Gefühl gegeben: Hier ist es?
Wir haben den See eher zufällig entdeckt – oder vielleicht war es auch Bestimmung. Zu dieser Zeit waren wir überhaupt nicht auf der Suche nach einer Immobilie. Ich träumte nur so vor mich hin von einer Lodge, wie wir sie in Kenia oder Südafrika erlebt hatten. Ein Ort, an dem die Stille eine eigene Präsenz hat, an dem man Raum nicht nur bewohnt, sondern wirklich erlebt. Als wir das erste Mal hierherkamen, war nichts spektakulär im offensichtlichen Sinne. Aber in der Luft lag eine eigentümliche Dichte, in der Art, wie das Licht durch die Landschaft zog. Und da war etwas Vulkanisches, das ich bereits in Island gespürt hatte – Vulkanismus und Feuer gehören für mich einfach zur Geschichte dieses Ortes. Wir spürten sofort: Hier geht es nicht darum, einen Ort zu verändern, sondern ihm zuzuhören. Das war der eigentliche Moment der Verbindung.

2. Die Zimmer im Instants d’Absolu sind nach heimischen Pflanzen benannt und mit natürlichen Pigmenten gestaltet – Wermut, Birke, Wacholder… Wie hat das Konzept des biophilen Designs die Art geprägt, wie Ihr Euch die Innenräume vorgestellt habt?
Im Gegensatz zu vielen Hotels, die mit namhaften Designern und berühmten Architekten arbeiten, wurden die Zimmer im Instants d’Absolu von der Natur selbst gestaltet. Biophiles Design kam nicht als Konzept zu uns – es kam als Selbstverständlichkeit. Als die Pandemie die Welt erschütterte, spürte ich, dass wir uns sinnlich wieder mit der Natur verbinden müssen. Die Begegnung mit Virginie vom Atelier Peregreen öffnete mir die Tür zu dieser unsichtbaren Welt der Pflanzen, ihrer Pigmente, ihrer Energie, ihrer stillen Gegenwart. Zunächst begannen wir gemeinsam zu erkunden und auszuprobieren. Jahre später, als sie ihre Naturfarben entwickelt hatte, kam sie zu mir und sagte: „Jetzt male ich Bilder aus Pflanzen. Wie könnten wir das in Deine Zimmer integrieren?” Und ich sagte, okay – Du fragst mich also, alle meine Zimmer zu renovieren. Gut, dann machen wir das. Das Instants d’Absolu wurde zunächst ihr Labor. Heute ist es ihr Showroom, denn jeder Raum ist von einer pflanzlichen Atmosphäre durchdrungen – das ist weit mehr als Farbe. Es ist die Energie der Pflanzen. Ich wollte, dass die Gäste das spüren – nicht als Dekoration, sondern als eine Art innere Ausrichtung.

3. Ihr habt eine Philosophie rund um das Konzept „Wild-to-Table” entwickelt – eine Küche, die jeden Kreislauf des Lebens respektiert, vom Gemüsegarten und Gewächshaus bis hin zu lokalen Erzeugern. Wie schlägt sich das an einem typischen Abend auf dem Teller der Gäste nieder?
Unser Umgang mit Essen war schon immer im Respekt vor dem Lebendigen verwurzelt. Wir essen Fleisch, wir essen Fisch – aber stets mit Achtsamkeit. Das wurde noch konkreter, als Daniel selbst als Koch bei uns begann. Er liebt es, mit Reh und Fasan aus dem umliegenden Wald zu arbeiten – und er verarbeitet das ganze Tier. Er sagt immer, es ist schön, edle Stücke zuzubereiten, aber alles muss gegessen werden. Von Knochen, etwa für ein Ossobuco, bis hin zu langsam gekochten Brühen, die Nährstoffe und Vitalität erhalten, und Texturen, die Zeit und Aufmerksamkeit verlangen. Wer eine Woche bei uns verbringt, isst kein Gericht zweimal. Jeder Abend ist eine Überraschung. Die Gäste werden nicht nur eingeladen, ein Essen zu genießen – sie treten in einen Kreislauf ein: etwas, das gelebt hat, mit Sorgfalt zubereitet wurde und am Ende durch sie weiterlebt. Die Küche lässt sich auch von der Natur inspirieren – von der vulkanischen Landschaft, dem See und dem Wald ringsum.

4. Welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen habt Ihr zuletzt umgesetzt – oder was plant Ihr für die Zukunft?
Nachhaltigkeit war nie etwas, das nachträglich hinzugefügt werden sollte – sie ist Teil des Fundaments, Teil des Wiederaufbaus von Anfang an. So haben wir zum Beispiel eine Hackschnitzelheizung und natürliche Zellulosedämmung eingebaut. Diesem Ansatz folgend, bauen wir nun einen traditionellen Buron um – eine alte Schäferhütte aus Lavagestein, 40 Gehminuten vom Ecolodge entfernt, mitten im Wald. Dort werden wir Solarenergie nutzen und versuchen, mit natürlichem Quellwasser über ein Schwerkraftsystem auszukommen, um auf Pumpen verzichten zu können. Wenn alles fertig ist, wird es ein Ort der Stille und des Austauschs mit unseren Gästen sein – ein spiritueller Rückzugsort. Wenn ich von Spiritualität spreche, spreche ich von Nachhaltigkeit. Ich spreche fast immer dieselbe Sprache. Es ist eine tägliche Haltung: eine Art, sich dem Lebendigen mit Respekt, Stimmigkeit und Freude zu begegnen. Für mich ist das ein und derselbe Weg.

5. Ihr ladet Gäste dazu ein, an Wildtiererfassungen und der Müllsammlung im Wald und auf dem Hochplateau teilzunehmen. Wie ist die Idee entstanden, die Gäste aktiv in den Schutz dieser Landschaft einzubeziehen?
Einmal war ich beim Wandern und habe dabei einfach Müll aufgesammelt. Dabei merkte ich: Das ist keine Last. Es ist sogar eine Möglichkeit, tiefer durchzuatmen und sich verbunden zu fühlen. Unseren Gästen dieselbe Möglichkeit anzubieten, war dann naheliegend – eine Einladung, an der Pflege eines Ortes teilzuhaben, der für eine Weile auch ihr Ort wird. Es ist eine alltägliche Verbindung. Und je mehr wir mit der Natur verbunden sind, desto natürlicher werden wir selbst.
6. Wenn ein Gast nur einen einzigen Tag im Instants d’Absolu hätte – wie würdet Ihr ihm empfehlen, diesen Ort und diese Landschaft zu erleben?
Früh aufstehen, denn in den ersten Morgenstunden steigt Nebel vom See auf – das ist von atemberaubender Schönheit. Nach dem Frühstück einfach loslaufen, ohne festes Ziel, und die Landschaft den Rhythmus vorgeben lassen. Eine Pause einlegen, ein Picknick machen – wir stellen gerne ein Lunchpaket zusammen –, und unter einem Baum ein Nickerchen halten. Am Nachmittag dann ein ausgedehnterer Waldspaziergang, um wirklich eins zu werden mit dem Wald. Am Abend Zeit im Spa verbringen und beobachten, wie das Licht langsam schwindet. Was am Ende zählt, ist nicht, was man getan hat, sondern wie präsent man bei dem war, was man tat. Es gibt keine To-do-Liste im Instants d’Absolu. Die gibt es schlicht nicht.

7. Das Cantal-Massiv ist eine der größten Vulkanformationen Europas, und das Instants d’Absolu Ecolodge & Spa liegt mittendrin. Als wir uns trafen, wolltest Du mir vom „Cantal-Effekt” erzählen. Was hat es damit auf sich?
Es ist eine Art innere Klärung. Dieses vulkanische Hochland hat die Fähigkeit, durch seine bloße Anwesenheit den Lärm aus einem herauszuspülen. Französische Schauspieler wie Jean Dujardin oder Pierre Niney haben von ihrer tief greifenden Erfahrung im Cantal-Massif gesprochen. Sie sagten, sie reisen durch die ganze Welt – aber hier haben sie etwas erlebt, das sie nirgendwo sonst kennen. Der „Cantal-Effekt” wird bald Teil einer Filmreihe mit diesen und weiteren Schauspielern sein. Hier im Ecolodge spüren wir, dass unsere Gäste meistens mit einer Art innerer Anspannung ankommen. Schon nach einem einzigen Tag verändern sie sich – sie werden ruhiger, geerdet. Das Feuer unter diesen schlafenden Vulkanen ist wirklich etwas sehr Kraftvolles. Es wirkt wie ein Laser, der transformiert – auch wenn man ihn nicht sehen kann.

Instants d’Absolu Ecolodge & Spa – Kurz & Knapp
8. Dein Lieblingsort in oder rund um das Ecolodge?
Definitiv die Frau de Collange. Ein uraltes Hochmoor. Etwas, das fast surreal wirkt und mich gleichzeitig an Kanada und den Kariba-See in Simbabwe erinnert – mit Bäumen, die aus dem Wasser ragen. Es entsteht eine Landschaft, die sich zerbrechlich und kraftvoll zugleich anfühlt. Etwa eine Stunde Fußmarsch vom Ecolodge entfernt.
9. Ein Detail, das die meisten Gäste übersehen – das Dir aber sehr am Herzen liegt.
Die feinen Veränderungen in Licht und Klang im Laufe der Jahreszeiten. Diese Übergänge sind oft unsichtbar, und es braucht Zeit, sie wahrzunehmen. Man muss sehr präsent sein. Und genau diese Augenblicke des Wandels sind wohl unser größter Luxus.
10. Deine liebste Tageszeit am See – und warum?
Nachts, wenn der Himmel völlig klar ist und kein künstliches Licht stört, kann man die Milchstraße sehen – Millionen von Sternen, die sich im See spiegeln. Ich empfehle unseren Gästen, nach dem Abendessen nach draußen zu gehen und einfach hinaufzuschauen.




