Voices of Select Green Hotels: Gespräche mit den Menschen hinter nachhaltigen Hotels
Am Fuße des Jbel Toubkal, des höchsten Berges Nordafrikas, wirkt die Kasbah du Toubkal beinahe wie aus einer anderen Welt – ein verborgenes Paradies, das dennoch nur 60 Kilometer von Marrakesch entfernt liegt.
Ursprünglich als Festung erbaut, wurde sie vor über 30 Jahren behutsam restauriert und hat sich seitdem zu einem eleganten Boutiquehotel entwickelt. Durchdachte Annehmlichkeiten – wie ein Infinity-Pool und eine der besten traditionellen Küchen der Region – fügen sich harmonisch in die ursprüngliche Architektur ein und bewahren ihren authentischen Charakter.
Heute ist sie ein besonderer Rückzugsort für alle, die zum Trekking in die Berge kommen, ebenso wie für jene, die Ruhe suchen und dabei einige der eindrucksvollsten Ausblicke genießen möchten. Wir sprachen mit Mike McHugo, dem Eigentümer der Kasbah du Toubkal.
1. Du warst im Atlasgebirge unterwegs, als Du die Kasbah du Toubkal entdeckt hast. Wie erinnerst Du Dich an diesen Moment?
Wir sind früher zum Trekking nach Imlil gekommen und haben dabei eine enge Beziehung zu einem Guide aufgebaut, der später unser Manager wurde: Omar Ait Bahmed. Wir haben oft sein Haus genutzt und zur Kasbah hinaufgeblickt, die damals noch eine Ruine war.
Eines Tages kam mein Bruder Chris zu Besuch, und gemeinsam standen wir dort und dachten, dass wir vielleicht versuchen sollten, die Ruine zu kaufen. 1989 haben wir sie schließlich über unsere Firma Discover Limited erworben.
Zwischen 1989 und 1995 gab es jedoch viel administrativen Aufwand, da wir die Nutzung des Landes von landwirtschaftlich auf touristisch ändern mussten – Ausländer durften kein landwirtschaftliches Land besitzen.
1995 haben wir die Kasbah wieder aufgebaut, zunächst vor allem für Schulgruppen. Um das Jahr 2000 haben wir dann Zimmer mit eigenem Bad ergänzt, und die Kasbah entwickelte sich zunehmend zu einem Haus, das an die Riads in Marrakesch erinnert.

2. Welche Rolle spielte dieses Gebäude und seine Umgebung, bevor es ein Hotel wurde
Sie gehörte zuvor einem lokalen Herrscher, Caid Souktani, der aus Marrakesch hierher kam, um die heißen Sommermonate zu verbringen. Er war Mitglied des Glaoui-Stammes, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der Großvater des heutigen Königs, Mohammed V., ins Exil nach Madagaskar geschickt wurde, da er sich auf die Seite der Franzosen gestellt hatte.
Mit der Unabhängigkeit im Jahr 1956 wurde sein Land konfisziert, und die Kasbah verfiel zunehmend – bis wir sie schließlich erwarben.

3. Welche Entscheidung hat die enge Verbindung der Kasbah du Toubkal zur lokalen Gemeinschaft maßgeblich geprägt?
Als wir die Kasbah gekauft haben, war uns klar, dass wir sie auf nachhaltiger Basis entwickeln wollten – mit einem stärkeren Fokus auf den Nutzen für die lokale Gemeinschaft als für die Gäste. Es ging uns nicht nur darum, Lebensmittel vor Ort zu beziehen oder Arbeitsplätze zu schaffen. Wir wollten einen echten Mehrwert für die gesamte Region schaffen, auch um zu verhindern, dass sich eine einseitige Tourismusstruktur entwickelt.
So entstand die Idee, dass unsere Gäste eine Abgabe von 5 % leisten, die direkt in soziale Projekte fließt.
Als wir 1995 den Betrieb aufnahmen, gab es kaum Infrastruktur: nur eine unbefestigte Straße, keinen Strom, keinen Rettungsdienst. Eines unserer ersten Projekte war daher die Anschaffung eines Krankenwagens für die Region. Außerdem haben wir ein Badehaus gebaut, das der lokalen Gemeinschaft zugutekommt.
2006 habe ich gemeinsam mit anderen Riad-Besitzern aus Marrakesch die Organisation Education for All gegründet. Sie ermöglicht Mädchen aus ländlichen Regionen des Atlasgebirges den Zugang zu weiterführender Bildung, indem Unterkünfte in der Nähe von Schulen bereitgestellt werden. Insgesamt entstanden sechs dieser Häuser. Beim Erdbeben 2023 wurden alle beschädigt – seitdem arbeiten wir an ihrem Wiederaufbau.
Der Dalai Lama spricht von „gutem Egoismus“ im Gegensatz zu „schlechtem Egoismus“ – und genau darin liegt auch ein wirtschaftlicher Aspekt. Unser Erfolg ermöglicht es uns, faire Löhne zu zahlen, soziale Absicherung zu gewährleisten und all die Initiativen fortzuführen. Wie ein Journalist einmal sagte: Unsere Großzügigkeit wirkt eher instinktiv als strategisch.

4. Was überrascht Gäste, die zum ersten Mal ankommen und sich hier oben im Leben in den Bergen einfinden, am meisten?
Wir kommunizieren sehr deutlich, dass man zur Kasbah hinaufgehen muss – dennoch sind manche Gäste zunächst etwas überrascht, wenn sie den Weg den Hang hinauf antreten. Umso größer ist dann die positive Überraschung, sobald sie durch das Tor treten und statt einer einfachen Trekking-Unterkunft ein komfortables Boutiquehotel vorfinden.
Die Lage und die Ausblicke sind zweifellos das Spektakulärste. Gleichzeitig haben Gäste die Möglichkeit, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, da alle Mitarbeitenden aus der Umgebung stammen und zu Fuß zur Arbeit kommen. Auf diese Weise sind wir zu einem festen Teil der Gemeinschaft geworden.

5. Wenn ein Gast nur einen Tag in der Kasbah hätte – wie würdest Du empfehlen, diesen Ort, die Menschen und die Landschaft am besten zu erleben?
Wenn Gäste nur einen Tag haben, sollten sie die Annehmlichkeiten der Kasbah genießen, sich Zeit nehmen, ein Buch zu lesen oder – je nach Wetter – von der Dachterrasse aus den Blick in die Berglandschaft schweifen lassen. Ebenso lohnt es sich, mit unserem Team ins Gespräch zu kommen.
Grundsätzlich empfehlen wir jedoch einen Aufenthalt von mindestens zwei Nächten, um den Ort wirklich zu erleben.
Besonders geschätzt wird von unseren Gästen eine mehrtägige Trekking-Erfahrung über insgesamt fünf Nächte: Die ersten zwei Nächte verbringt man in der Kasbah, inklusive einer lokalen Wanderung am zweiten Tag. Anschließend geht es in ein abgelegenes Tal, wo sich eine einfache, traditionelle Trekking-Lodge befindet. Von dort aus unternimmt man ganztägige Wanderungen, inklusive Picknick in der Natur – begleitet von einem Guide und einem Maultiertreiber.

6. Welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen habt Ihr kürzlich umgesetzt oder plant Ihr aktuell?
Wir versuchen, gute Nachbarn zu sein und möglichst lokal einzukaufen. Die Wirtschaft in Imlil hat sich durch den Tourismus stark verändert – von einer Subsistenzwirtschaft, in der Walnüsse die wichtigste Einnahmequelle waren, hin zu einer Geldwirtschaft. Dadurch gelangen auch deutlich mehr Waren von außerhalb in die Region, was wiederum zu einem Anstieg des Abfalls geführt hat. Aktuell arbeiten wir daran, die Müllentsorgung und -organisation zu verbessern.
Zudem nutzen wir Solarpaneele, und etwa 50 % der Energie in Marokko stammen inzwischen aus Solar- und Windkraft. Der Strom, den wir beziehen, ist daher vergleichsweise nachhaltig.
7. Mit Blick in die Zukunft: Was ist aus Deiner Sicht am wichtigsten zu bewahren, wenn es um den Zweck und die Wirkung der Kasbah geht?
Sicherzustellen, dass die lokale Gemeinschaft weiterhin davon profitiert, ist zentral – insbesondere durch unsere 5%-Abgabe, die in Education For All fließt.
Gleichzeitig ist es wichtig, die regionale Architektur zu bewahren. Einige Elemente – wie die traditionellen Holzdecken – wurden inzwischen von anderen aufgegriffen. Wir setzen uns daher gemeinsam mit den lokalen Behörden dafür ein, klare architektonische Leitlinien zu entwickeln, um das kulturelle Erbe der Region langfristig zu schützen.

Kasbah du Toubhal– in Kürze
8. Dein Lieblingsplatz in oder rund um das Hotel?
Auch wenn ich es schon unzählige Male erlebt habe, ist es die Fahrt hinauf ins Tal, die ich am meisten liebe. Je nach Jahreszeit sind die Ausblicke ganz unterschiedlich: im Frühling blühende Kirsch- und Apfelbäume, im Winter eine verschneite Landschaft.
Ebenso schätze ich den Spaziergang durch die Walnussbäume sehr. Von Imlil sind es nur etwa 10–15 Minuten zu Fuß, aber der Weg ist besonders – das gefilterte Licht, das durch die Blätter fällt, verändert sich im Laufe des Jahres und macht jedes Mal eine neue Erfahrung daraus.
9. A detail most guests overlook, but you care about Ein Detail, das die meisten Gäste übersehen – das Dir aber besonders am Herzen liegt?
Sobald Gäste mit unserem Team ins Gespräch kommen, verstehen sie, dass wir ein Teil der lokalen Gemeinschaft sind. Als wir begonnen haben, kannten wir Begriffe wie regeneratives Reisen oder nachhaltigen Tourismus noch gar nicht – wir haben einfach gehandelt, wie gute Nachbarn es tun würden.
10. A sound, texture, or element that defines this place for yEin Geräusch, eine Textur oder ein Element, das diesen Ort für Dich besonders prägtou?
Es ist unser Team, das diesen Ort am stärksten prägt – vielleicht sogar noch mehr als die Lage selbst.




