Voices of Select Green Hotels: Begegnungen mit den Menschen, die nachhaltige Gastfreundschaft prägen.
Auf der noch vergleichsweise unbekannten Insel Sifnos, im Herzen der Kykladen, eröffnet Stamna Sifnos eine wohltuend ruhige Alternative zu den belebteren griechischen Inseln. Als die beiden Eigentümer erstmals hier ankamen, waren sie sofort von der besonderen Atmosphäre des Ortes eingenommen – und von der Möglichkeit, tief in die lokale Kultur einzutauchen.
Mit weitem Blick über die Ägäis wurden alle 20 Zimmer und Suiten des Stamna Sifnos so gestaltet, dass sie über private Außenbereiche verfügen – Orte zum Ankommen, Durchatmen und Entschleunigen, an einem Reiseziel, an dem die Zeit spürbar langsamer vergeht.
“Wenn wir eines Tages ein Hotel eröffnen, dann genau hier”
1. Stamna Sifnos ist ein familiengeführtes Hotel. Wie ist die Geschichte dahinter? Stammt Eure Familie ursprünglich aus Sifnos?
Costas: Nikos und ich stammen nicht aus Sifnos. Wir wurden in Belgien in eine griechische Familie geboren und haben auch zeitweise auf Kreta gelebt. In den letzten 30 Jahren haben wir unser Leben zwischen Griechenland und Spanien geteilt. Wir arbeiteten in verschiedenen Branchen in Spanien und reisten jeden Sommer mit unseren Familien nach Griechenland.
2011 kamen wir zum ersten Mal nach Sifnos – und waren sofort begeistert. Vier Jahre in Folge kehrten wir zurück. Uns hat diese besondere Balance fasziniert: authentisch, aber zugleich vertraut, fast wie die Sommer unserer Kindheit. Irgendwann sagten wir uns: Wenn wir eines Tages ein Hotel eröffnen, dann genau hier.
Gemeinsam mit meinem Bruder begannen wir, nach einem passenden Grundstück zu suchen. 2018 fanden wir schließlich ein wunderschönes Areal von 13.000 Quadratmetern in der Nähe des Hauptortes Apollonia.

2. Wie bleibt das Hotel mit den Traditionen und dem Alltag auf Sifnos verbunden?
Costas: Schon der Name des Hotels – Stamna – ist eine Hommage an die lokale Töpferkunst. „Stamna“ bedeutet auf Griechisch Keramikgefäß. Auch unser Restaurant Pilōs trägt einen griechischen Namen und steht für „Ton“.
Das Design des Hotels greift die erdigen Farben der Insel auf: Keramik, warme Rottöne, Olivenbäume, sanftes Grün.
Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt ist die Gastronomie. Gemeinsam mit unserem Executive Chef Gkikas Xenakis aus Athen haben wir eine Speisekarte entwickelt, die auf traditionellen, lokalen Rezepten basiert – griechisch und kykladisch. Viele Zutaten stammen direkt von der Insel. Unser Olivenöl produzieren wir sogar selbst aus den Bäumen auf dem Grundstück – erstmals im letzten Jahr, und wir bieten es auch unseren Gästen an. Unsere Weinkarte ist ausschließlich griechisch.
Auch beim Bau haben wir auf lokale Ressourcen gesetzt: Die Steinmauern wurden aus Steinen errichtet, die direkt vom Grundstück stammen.
Und natürlich beschäftigen wir so viele lokale Mitarbeiter wie möglich. Zudem arbeiten wir eng mit lokalen Partnern zusammen – etwa für Aktivitäten wie Koch- oder Töpferkurse. Gleichzeitig ermutigen wir unsere Gäste, die Insel zu entdecken. Unser Ziel ist es nicht, sie den ganzen Tag im Hotel zu halten, sondern als Gastgeber und Botschafter der Insel zu wirken.

3. Wenn ein Gast nur einen Tag Zeit hätte – wie sollte er Sifnos erleben?
Costas: Zuerst im Hotel ankommen, kurz orientieren – und dann zu Fuß in die nahegelegene Hauptstadt Apollonia gehen, um ein Gefühl für die lokalen Dörfer zu bekommen.
Danach empfiehlt sich ein Mietwagen: Richtung Süden zu einigen der schönsten Strände, schwimmen gehen, anschließend in einer traditionellen Taverne einkehren und lokale Spezialitäten probieren.
Ein Besuch bei Keramikwerkstätten darf nicht fehlen – um die unterschiedlichen Techniken und Familientraditionen kennenzulernen. Vielleicht ein Souvenir kaufen oder sogar an einem Workshop teilnehmen.
Am Nachmittag, nach einer kleinen Pause, geht es nach Kastro – der ehemaligen Hauptstadt mit mittelalterlichem Flair. Ein Glas Wein in einer stimmungsvollen Bar, danach ein schönes Abendessen.
So bekommt man an einem Tag einen wunderbaren Eindruck von Natur, Kulinarik, Handwerk und dem Lebensgefühl der Insel.

4. Welche Nachhaltigkeitsmaßnahmen habt Ihr kürzlich umgesetzt oder plant Ihr?
Costas: Wir haben stark in Energieeffizienz investiert: Acht große Wassertanks sammeln Regenwasser. Die Gebäude sind hervorragend isoliert, sodass selbst im Hochsommer oft nur kurze Klimaanlagen-Nutzung nötig ist. Außerdem nutzen wir Solarenergie.
Wir haben einen eigenen Gemüsegarten, dessen Produkte wir im Restaurant verwenden. Perspektivisch möchten wir noch mehr selbst anbauen und enger mit lokalen Produzenten zusammenarbeiten, um möglichst unabhängig von Importen zu werden.
Die Uniformen unseres Teams bestehen aus recycelten Materialien – wir arbeiten mit einem Unternehmen, das alte Hoteltextilien zu neuer Arbeitskleidung verarbeitet.
Nikos: Auch der soziale Aspekt ist uns wichtig: Wenn möglich, stellen wir lokale Mitarbeiter ein und schaffen Perspektiven für junge Menschen auf der Insel. Künftig möchten wir Gäste und Team stärker in soziale und ökologische Projekte einbinden – etwa Strandreinigungen oder lokale Feste. Bereits jetzt unterstützen wir einen lokalen Charity-Lauf zu Saisonbeginn.

5. Ihr bietet Farmbesuche mit lokalen Partnern an. Was erwartet die Gäste?
Nikos: Wir arbeiten mit zwei Höfen zusammen. Auf einem lernen Gäste traditionelle Kochmethoden kennen – mit frischen Zutaten direkt aus dem Garten und der Zubereitung in Keramiktöpfen. Gemeinsam wird gekocht und gegessen – ein Erlebnis, das einen ganzen Vormittag füllt.
Der zweite Hof konzentriert sich auf Tierhaltung: Ziegen, Schafe, Kühe, Kaninchen, Hühner. Die Gäste erfahren viel über die Geschichte und die traditionellen Herstellungsweisen, etwa von Käse – und können sogar selbst beim Melken helfen.
6. Was möchtet Ihr in den kommenden Jahren unbedingt bewahren?
Costas: Das familiäre Gefühl. Unsere Gäste schätzen den hohen Service – aber genauso die ungezwungene, persönliche Atmosphäre. Diese Balance ist entscheidend.
Wir sind sehr präsent: Wir holen unsere Gäste persönlich am Hafen ab, fahren sie ins Hotel, geben erste Tipps – und bleiben während ihres Aufenthalts im Austausch. Auch bei der Abreise begleiten wir sie wieder. So entsteht echte Gastfreundschaft.
Nikos: Und unsere Ehrlichkeit. Wir empfehlen nur Orte, die wir selbst lieben.
7. Welche Erinnerung sollen Gäste mit nach Hause nehmen?
Costas: Dieses persönliche Gefühl. Ein gutes Gespräch am Morgen, eine Empfehlung für einen besonderen Abend. Ein Ort, der authentisch, herzlich und tief in der griechischen Kultur verwurzelt ist.

Stamna Sifnos – Kurz & Knapp
8. Euer Lieblingsort im oder rund um das Hotel?
Nikos: Der Gemüsegarten – mit der schönsten Aussicht und absoluter Ruhe.
Costas: Kastro, besonders zum Sonnenuntergang – eine ganz besondere Stimmung.
9. Euer Lieblingsgericht im Pilōs Restaurant (Frühling/Sommer)?
Costas: Marinierter Fisch mit lokalen Gewürzen und Dolmadaki-Tatar – eine moderne Interpretation eines Familienrezepts.
Nikos: Kagianas – Rührei mit frischen Tomaten, Zwiebeln und lokalem Manoura-Käse.
10. Eure liebste Tageszeit am Pool – und warum?
Costas: Sonnenaufgang, mit Vogelstimmen – noch vor dem Frühstück.
Nikos: Ganz klar: ebenfalls der Sonnenaufgang.




